Politik, Raddatz, August 2011.
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Politik, Raddatz, August 2011.


Politiker sind Systemparasiten.

Ein Aufsatz in PI vom 24. August 2011

www.pi-news.net/2011/08/raddatz-politiker-sind-systemparasiten/

Der letzte Woche 70 Jahre alt gewordene Hans-Peter Raddatz ist einer der bekanntesten Orientalisten des deutschen Sprachraums.

PI gratuliert nicht nur an dieser Stelle nachträglich zum Geburtstag, sondern freut sich auch, nachfolgendes Exklusivinterview veröffentlichen zu dürfen.

Der schnelle Leser sei gewarnt: Das Interview ist lang.

Aber die in der Länge des Textes versteckten Gedanken haben zum Teil eine solche Wucht, dass sich das Lesen von der ersten bis zur letzten Zeile lohnt!

Schön, dass im Deutschland des Twitter-Zeitalters auch noch raumgreifend gedacht wird. Wir wünschen eine angenehme Lektüre.



1 PI: Herr Dr. Raddatz, Sie haben in den 1960er-Jahren Orientalistik studiert, was damals ungewöhnlich war. Sie werden dieses Fach wie jeder andere Student in anderen Fächern auch aus Neigung ergriffen haben. Heute gelten Sie als Islamkritiker. Was ist bei Ihnen schief gelaufen?


Raddatz: In der Rückschau kann man es – in Abwandlung des Kohl-Wortes – die „Gnade der mittleren Geburt“ nennen, weil man Zeuge eines Weltbildwandels wurde, der uns über vier Jahrzehnte hinweg demonstrierte, wie es Wirtschaft, Politik und Universität mit Zuwanderung, Euro-Imperialisierung und Sozialtechnik schaffen konnten, sich von den Zwängen der Demokratie und konkurrenzfähiger Bildung zu befreien.

Abgesehen von meiner praktischen Erfahrung und den Kontakten zu den Menschen vor Ort, war und bin ich zu keiner Zeit Kritiker des Islam, sondern Analytiker eines politischen Systems, das auf dem Weg von der Demokratie in die Diktatur ist und sich dazu der so genannten Toleranz und des angeblichen „Friedens des Islam“ als Instrumenten der Volksverdummung und –enteignung bedient.

Die Entwicklungen in meinen Fachschaften – Orientalistik und Volkswirtschaft – liefern Paradebeispiele für die langsame Korruption des Denkens und Handelns zugunsten eines komfortablen Herrschaftssystems.



2 Aber neben Ihren Büchern betätigen Sie sich doch auch in der Politikberatung.

Wenn man die Naivität der deutschen Politik sieht, könnte man sich fragen, wer da überhaupt noch Ihren Rat suchen sollte bzw. was Sie als Einzelner und vor allem die Universitäten und Stiftungen hier eigentlich bewirkt haben.

Können Sie vielleicht Namen oder Parteien als Beispiele nennen?


Ich muss Sie davor warnen, dass Sie damit selbst ein längeres Interview provozieren, weil Sie ein ganzes Bündel von Aspekten ansprechen, das man Ihren Lesern auseinander legen muss.

Zunächst bin ich weniger in der Beratung, sondern in der Kontakthaltung und –schaffung tätig, die interessierte Partner zusammenführt, und dies weit weniger im Inland als im Ausland.

Hier kommt es auch weniger auf die Politik als auf die Medien und die Wirtschaft als die Taktgeber der Politik an.

Das können Sie allein schon an Ihrem Begriff der politischen „Naivität“ ablesen. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass sich die Nettozuwanderung von ca. 30 Millionen Muslimen in der EU, von denen sich etwa sieben Millionen auf dem Gebiet der Bundesrepublik befinden, reiner, über 40 Jahre konservierter „Naivität“ verdankt?

Und noch weniger „Naivität“ ist im Spiel, wenn Sie das Finanzverhalten der EU-Regierungen und die so genannten „Rettungsschirme“ näher betrachten.

Neben einer Antwort erübrigt es sich auch, Beispiele für Parteien in diesem Geschehen zu nennen.

Diese haben sich über die Jahre zu einer Einheitspartei entwickelt, die unter der Ägide der Wirtschaft und Medien im Verbund mit den Stiftungen und Universitäten die Bevölkerung in einen effizienten, sozialtechnischen Griff nimmt und ihr erfolgreich suggeriert, dass es zu dem, was sie Politik nennt, „keine Alternative“ gibt.

Allein damit wird klar, dass es sich nicht um demokratische Willensbildung, sondern Kommandopolitik handelt, die über zunehmend zensurierte Medien als Orientierung der „Korrektheit“ in die Köpfe der Menschen gepresst wird.

Diese Politik wird von einem Parteienkonsens propagiert, den Hans Herbert von Arnim als „organisierte Verantwortungslosigkeit“ bezeichnet.

Der Verbund aus Wirtschaft, Politik, Medien usw. sieht das natürlich ganz anders, nämlich als System der organisierten Verantwortung für den eigenen Vorteil, die den Ruin des Staates billigend in Kauf nimmt und in der einschlägigen Wissenschaft auch als „Systemparasitismus“ bezeichnet wird.



3 Das sind harte Worte, die Ihnen womöglich den Vorwurf des Rassismus eintragen werden.

Wollen Sie damit etwa sagen, dass es auf all die Fragen des bisherigen Kulturdialogs, die Fragen der Religionsfreiheit, der Trennung von Religion und Staat, der Unterschiede zwischen westlicher und islamischer Politik, zwischen christlicher und islamischer Religion überhaupt nicht ankommt?

Und dass das Ganze vielleicht sogar nur eine Veranstaltung zur Ablenkung vom eigentlichen Vorgang ist, den Sie als Weltbildwandel einstufen?


Genau das soll gesagt sein. Es ist zuallerletzt die christliche Religion, die hier irgendeine Rolle spielt, und wenn überhaupt, dann allenfalls als Vollstreckerin ihrer eigenen Beseitigung, so wie sich auch die Demokratie mit ihren Politikern beseitigt.

Wie Sie wissen und besonders bei Rousseau, Hegel und Heidegger nachlesen können, ist dies ohnehin ein Ziel der Moderne seit der Aufklärung, wie denn auch der aktuelle Trend gegen Kirchen und Staat – mit latenten Potentialen der Gewalt – in der Aufklärung wurzelt, also nicht so einfach zu korrigieren ist.

Wenn es um die Konkurrenz um den Erfolg des globalen Strukturwandels und angemessene Unterwerfung unter die Zwangstoleranz geht, liegen die Vertreter der Kirchen ganz sicher im Vorderfeld.



4 Das hört sich etwas pauschal an…


In diesem Geschäft muss man sich leider immer wieder für vermeintlich schwierige Erläuterungen entschuldigen, weil die Dinge über Jahrzehnte ungeklärt liegen geblieben sind, die Menschen mit Arbeit und Entertainment ausgelastet sind, das Lesen längerer Texte für lästig und überflüssig halten und ihre Zukunft den so genannten „Verantwortlichen“ überlassen, die sich mehrheitlich wiederum für ihren eigenen Vorteil interessieren.

Der Sachverhalt lässt sich an Ihrem Aspekt des „Rassismus“ messen, der ein biologischer Begriff ist, aber Menschen vorgeworfen wird, die auf die Einhaltung demokratischer Spielregeln pochen.

Nun ist aber derjenige, der Kritik an der Zuwanderung als „Rassismus“ abwehrt, unschwer als jemand erkennbar, der die Zuwanderung als völkisches, also faschistisches Projekt diktiert und dabei der indigenen Bevölkerung sogar jede Toleranz gegenüber eigenen Interessen verbietet.

Der Unterschied zum nazistischen System ist nur ein gradueller: Während die Nazis sich auf die Einzelrasse der „Arier“ stützten und alles andere, vor allem die Juden, bekämpften, basiert der aktuelle Faschismus auf dem Multikulturalismus als multirassistischem Heilsziel, dem sich alles andere zu beugen hat – vor allem die altkulturelle Bevölkerung.



5 Wenn ich Sie richtig verstanden habe, müsste man also annehmen, dass die bevorzugte Ansiedlung der Muslime in der Moderne langfristig angelegt ist, dass sie nicht nur Teil der laufenden Globalisierung, sondern ein wesentliches Projekt der Aufklärung ist, das sogar, wie Sie sagen, auf das Verschwinden des demokratischen Rechtsstaats insgesamt abzielt.

Ich verstehe dabei aber noch nicht ganz, wieso dann den Aufklärern zugeschrieben wird, neben der Wissenschaft auch die Demokratie überhaupt erst auf den Weg gebracht zu haben.

Man müsste dann ja sogar sagen, dass die jetzt Regierenden Faschisten sind.


So ist es, wobei wir nicht vergessen sollten, dass nicht wenige der bisherigen "Verantwortlichen" aus der Terroristen- bzw. deren Sympathisantenszene kommen.

In der Aufklärungsdiskussion fehlt - bis auf wenige Ausnahmen - die Aufklärung darüber, dass die Demokratie eine zerbrechliche und formbare Staatsvariante ist, die umso leichter in eine diktatorische Herrschaftsform übergeht, je zuverlässiger das Denken und Verhalten der Menschen beeinflusst wird.

Wie jedes eigendynamische System leben auch die Mechanismen der pluralistischen Gesellschaft von ihren systemtechnischen Randbedingungen.

Wenn in unserem Fall einige Philosophen und Soziologen ganz unbefangen von "Systemparasiten" sprechen, meinen sie damit die maßgeblichen Akteure, also die Kräfte in den inzwischen gleichgeschalteten Institutionen wie Politik, Medien, Kirchen, Universitäten, Stiftungen, Gerichten, Sicherheitsbehörden etc. Je nivellierter, d.h. primitiver das Denken der Beteiligten, und je wichtiger die Rolle des Geldes wird, desto weniger brauchen die Akteure zu wissen und desto zuverlässiger verfestigt sich auch der Trend zum Kommando.

Sie wissen, dass es noch nie die Stärke des so genannten "Dialogs" war, sich auf irgendwelche Argumente einzulassen, was ein typisches Merkmal der Aufklärung fördert: die faschistische Pöbelherrschaft, die mit den Jakobinern begann, sich über die Nazis und Bolschewisten fortsetzte und nun - gedämpft durch Konsum, Sport und die Salonfusion von Links und Rechts - in der jetzt herrschenden Klasse weiterlebt.



6 Demnach würde also jeder, der sich einer logischen oder demokratischen Überprüfung verweigert, ein Systemfaschist bzw. –parasit sein?


Richtig. Darin liegt ja gerade der Vorteil der systemtechnischen Betrachtung, die es ermöglicht, die ideologischen Belastungen des Mainstream mit seinen eingeschliffenen Vorurteilen, Diffamierungen und Denunziationen zugleich als ergiebigen Bereich der Anbahnung von Geschäften und Sicherung der persönlichen Existenz zu demonstrieren.

Hier werden Sie – und zwar überreichlich – mit Ihrem Wunsch nach Namen fündig, denn Sie brauchen nur darauf zu achten, wer was zu welchem Islamthema sagt, um zu ermitteln, ob und in welchem Umfang es sich um einen Systemparasiten handelt.

Nun ist dieser Kontext schon seit den 1980er-Jahren bekannt – zum Beispiel durch den französischen Wissenschaftshistoriker Michel Serres – und hat im „Dialog“ dennoch keinen Fuß fassen können, was dessen öffentlichen Dressurerfolg eindrucksvoll bestätigt.

Hinzu kommt eine weitere Unterwerfungskomponente, auf die speziell die moderne Macht zählen kann: die unzerstörbare Bereitschaft der Masse, den Herrschenden nicht nur fast jeden Unsinn abzunehmen, weil sie ihr Generalvertrauen zollt, sondern auch Kritik daran als „Verschwörungstheorien“ zu verteufeln.

Insofern also Macht den Großteil der Masse hinter sich weiß und im Zuge der „Korrekheit“ auch weiter verdummt, kann sie umso leichter jede Kritik unter den Generalverdacht des „Rassismus“ stellen, je besser bzw. je gefährlicher ihre Argumente sind.



7 Klingt alles sehr theoretisch. Können Sie dieses Modell an einem aktuellen Beispiel verdeutlichen?


Die Vielfalt ist so groß, dass die Auswahl schwer fällt. Aber nehmen Sie einmal den kürzlichen Massenmord in Oslo.

Ausführlicher als jeder andere zuvor hatte der Täter seine Motive auf nicht weniger als 1500 Seiten dargelegt, von der Ablehnung der muslimischen Zuwanderung bis hin zur langfristigen Verantwortung der Politik.

Dem Mainstream lag jedoch nichts ferner als Ursachenforschung, geschweige denn die monomanische Täterpsyche in den Blick zu nehmen.

In vorhersagbarer Reflexhaftigkeit erschien es den Akteuren viel dringlicher, allen voran den Medien, die kritischen Quellen aufs Korn zu nehmen, auf die der Täter seine Einschätzungen stützte.

Im Handumdrehen waren deren Autoren zu „geistigen Mittätern“, zu „Brandstiftern“ im Biedermanngewand geworden, bei denen man die eigentliche Verantwortung für die schreckliche Tat zu suchen hatte.

Es müssen nicht immer die Nazis sein, die man zum Vergleich beizieht, doch hat auch Goebbels den Juden die Verantwortung für den Holocaust angelastet, und nicht wenige Teilnehmer des Dressurdialogs behaupten, dass die Terrortaten der radikalen Islamisten von der westlichen Kultur „provoziert“ werden.

Hier kann man die Diskussion um Patrick Bahners’ islamkritische „Panikmacher“ anfügen, der mehr über die psychische Seite des Systemfaschismus offen gelegt hat, als ihm selbst als einschlägig Programmiertem bewusst sein konnte.

Wichtigstes Kennzeichen des Faschismus ist die Verharmlosung der Gewalt, welche die machtschaffende Tat ermöglicht.

Seit Jahrzehnten zieht sich die Sehnsucht nach neuer Führung durch den „Dialog“, die in der Verbindung von mystischer Verherrlichung und permanenter Zuwanderung nun immer konkretere Gestalt annimmt.



8 Alles gut und schön, aber müsste dann ein vorläufiges Fazit nicht darauf hinauslaufen, dass Kritik, Argumente und die Ansprüche der, wie Sie sie nennen, „altkulturellen“ Bevölkerung verpuffen?

Wenn unser Gesellschaftssystem aus einer längeren Zeitperspektive zu betrachten ist, sollte diese dann nicht auch in der Lage sein, uns eine brauchbare Information über den weiteren Verlauf zu geben?


Im Prinzip beides. Zunächst ist allerdings auf den Unterschied zwischen heute und der Welt vor 40 Jahren zu verweisen, der den eindrucksvollen Erfolg des Dressurdialogs unter Beweis stellt.

Da es heute keine Diskussion im herkömmlichen Sinne gibt, sondern nur noch Reflexe auf punktuelle Themen, kommt auch keine Kompetenz zustande, die die systemparasitäre Entwicklung offen legen könnte, von einer demokratischen Kultur ganz zu schweigen.

Sie haben das beste Beispiel im eigenen Blog, wo sich die Beitragenden tagtäglich aneinander abarbeiten, ohne irgendetwas am System zu ändern.

Die einzige Wirkung liegt in der Verfestigung der herrschenden Verhältnisse, weil moderne Macht nicht nur herrscht, sondern auch die Opposition kontrolliert.

Was Sie an Information über den weiteren Verlauf erwarten können, liegt auf der Hand. Wir werden einen rasanten Fortschritt der Plebejisierung feststellen, das heißt des Niveauschwunds in der Qualität der Institutionen, die, wie es immer wieder heißt, auf „Augenhöhe“ mit dem Islam kommen, also um Verständnis für islamische Wirtschafts- und Bildungsschwäche werben – schlicht islamisches Recht einführen sollen.

Korrekturen können nur aus dem Systemversagen selbst heraus kommen, was allerdings zuvor noch etwas härtere Bandagen bedingt.



9 Was meinen Sie denn damit?


Ganz einfach: die Fortsetzung der Bewegung heraus aus der Demokratie, die schon mit der 68er-Generation begonnen hat.

Wenn wir ständig hören, dass die Islamisten und nun auch die Muslimbrüder in den aufrührerischen Islamländern „auf dem Weg in die Demokratie“ sind, ist die „radikale Demokratie“ der systemfaschistischen Salonfusion gemeint, die von Jürgen Habermas in Gang gesetzt wurde und sich mit dem sehr praktischen „Antifaschismus“ verschleiert.

Da sich bislang noch keine Macht der Weltgeschichte ohne Widerstand von der Herrschaft getrennt hat, werden auch wir mit Maßnahmen rechnen können, die sich der konsum- und spaßgetrimmte Jobnomade nicht so ganz vorstellen kann.

Einen gewissen Vorgeschmack gibt die EU-Israelpolitik, die die palästinensischen Gewaltgruppen fördert und damit auf das langfristige Erlahmen des israelischen Existenzwillens setzt.

Neben dem Geld gehört der Judenhass zu den Nennern, auf denen sich schon immer alle Eliten einigen konnten.

Hierzulande ist aus machttechnischer Sicht zu wünschen, dass man möglichst wenig Gewalt brauchte, indem der demographische Übergang durch den multivölkischen Austausch problemlos abgewickelt würde.

Solches stößt allerdings auf sich laufend verengende Finanzbudgets, deren Bewältigung wiederum vom Wohlverhalten der islamischen Refinanzierer abhängt – ein Dilemma, dessen Lösung man freilich so lange vertagen kann, wie sich die ständig steigenden Belastungen des Altvolks unter der Rubrik der „Toleranz“ vermarkten lassen.



10
Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Raddatz.



Sämtliche Angaben ohne Gewähr.       Eingefügt am 28. August 2011

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Politik, Raddatz, August 2011.
ab dem 28. August 2011 bis 28. August 2011

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