Hinweise zum Erfinden.


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Hinweise zum Erfinden.
Der Einfluß der Sprache auf das Erfinden.


Beim Erfinden zerlege ich eine Bewegung oder einen Vorgang
in viele Einzelvorgänge.
Ich erfasse alle Kleinigkeiten des Geschehensablaufs genau
und ich beschreibe sie ausführlich und treffend.
Dazu braucht man eine ausführliche und treffende Sprache.


Die deutsche Sprache.

Die deutsche Sprache gestattet es,
zusammengesetzte Hauptwörter zu bilden.
Somit kann man neuartige Wörter bilden für
Eigenschaften und Zusammenhänge,
die es vorher in der Sprache noch nicht gab.

In der deutschen Sprache kann jedes Kindergartenkind
solche neuen Hauptwörter bilden.
Es ist geradezu ein Spiel, solche genau treffenden,
neuen Hauptwörter zu bilden.
Sehr oft erfinden Kinder, wenn sie etwas Neues,
einen neuen Geschehensablauf sehen,
das genau dazu passende Wort selbst als
Neuschöpfung.


Die englische Sprache

Im Unterschied dazu hat die englische Sprache sehr viel
mehr kurze treffende Wörter als die deutsche Sprache.
Die englische Sprache hat sich bei Bedarf, beim Auftreten
des Bedürfnisses nach einem neuen Wort, einfach bei
anderen Sprachen bedient und sich von dort Lehnworte
genommen.

Da, wo die deutsche Sprache ein etwas umständliches Verfahren
erzeugt hat, welches sie zur Bildung neuer und treffender
Wörter benutzt, die zudem durch die Art ihrer Herstellung
selbst lang und umständlich sind,
hat die englische Sprache eine
Anleihe bei fremden Sprachen gemacht und sich
deren jahrtausendelangen Kenntnisse und Bemühungen
zunutze gemacht und einfach deren Wörter
übernommen.

Was aber macht der Englischsprecher,
wenn er neue Wörter nicht im Jahre- oder Jahrzehnteabstand
benötigt, denn solange dauert es, bis neue Wörter in die
Sprache einträufeln, sondern wenn er die Wörter für eine Erfindung
noch am selben Tag braucht?

Es ist klar, daß die Englischsprecher ebenfalls
zusammengesetzte Hauptwörter bilden können.
Diese werden im Englischen, wenn sie denn vorkommen,
meist mit Bindestrich geschrieben und sie sehen
für den Englischsprecher plump aus und sie sind auch ungewohnt.
Es fehlt der spielerisch leichte, suchende und findende Umgang
mit den zusammengesetzten Hauptwörtern, welchen der
Deutschsprecher schon als Kind lernt und übt.

Die Englischsprecher haben einen ganz einfachen Weg gefunden:
Ihre Sprache ist zwar nicht besonders gut zum Erfindungenmachen geeignet,
aber es gibt eine sehr große Anzahl von Englischsprechern weltweit,
und allein schon aus diesem Grund werden sehr viele Erfindungen
in der englischen Sprache gemacht.
Außerdem gibt es viele Menschen, deren Muttersprache nicht englisch ist,
die aber in Englisch ihre Erfindungen veröffentlichen.
Diese Menschen haben den Vorteil, daß sie sich in zwei Sprachen
Anregungen für ihre Erfindungen holen können.

In der Geschichte ist es auch so gewesen, daß vor allem die USA
diejenigen Dinge, die sie selbst nicht ausreichend hervorbringen,
mit Geld oder Gewalt genommen haben.
Noch heute kaufen sich die USA Wissenschaftler und gut
ausgebildete Arbeiter auf der ganzen Welt,
da ganz offensichtlich ihre eigenen Bildungseinrichtungen
die benötigte Menge und Güte nicht hervorbringen können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA als Sieger
als einen Teil ihrer Kriegsbeute ausnahmslos alle deutschen Patente,
das gesamte technische Wissen eines großen europäischen Volkes,
von Europa nach den USA mitgenommen, teilweise sogar zusammen
mit den Wissenschaftlern.
Dies war einer der größten Beutezüge der Weltgeschichte.


Die romanischen Sprachen.

Die romanischen Sprachen bestechen durch Wohlklang
und eine ganz außergewöhnliche Klarheit.
Dort, wo ein deutscher Text mehrdeutig ist,
ist oft die romanische Fassung knapp, klar, eindeutig.
Für sehr viele Erfindungen sind die romanischen Sprachen
besonders gut geeignet.
Die bisher unbekannte Erfindung wird durch eine Folge von
Logikketten sozusagen aus ihrem Versteck getrieben
und sie ist danach bekannt.
Der Beitrag der romanischen Sprachen ist dabei, daß sie das
klare und geradlinige Denken fördern.

Wenn ich mir die romanischen Sprachen ansehe,
denke ich mir, daß diese Sprachen ein Spiegel für
das Denken und Fühlen der romanischen Völker sind.
Bereits die Kinder befassen sich spielerisch mit der Sprache,
und bereits die Kinder üben sich im klaren,
genauen, geradlinigen, logischen Denken.


Es gibt nun aber auch Erfindungen, bei denen ausgerechnet
das logische Denken nicht im Vordergrund stehen darf.
Dafür sind die romanischen Sprachen weniger geeignet.


Gerade dort, wo sich die deutsche Sprache unsicher, tastend,
mehrdeutig voranbewegt, genau dort
kommt sie dem Vorgang des Erfindens sehr gut entgegen.


Beim Erfinden ist ja das Neue auch erst verschwommen, unklar, unbestimmt.
Die Verknüpfungsart der Logikketten ist noch vollkommen
unbestimmt, ebenso ihre Sinnrichtung und Abhängigkeitsrichtung.

Und genau dafür, Dinge und Geschehnisse wiederzugeben und diese nur mit leichten Stimmungen so im Ungefähren zu verbinden und danach allmählich immer genauer und deutlicher zu werden, dafür ist die deutsche Sprache bestens geeignet.

Der Vorteil der deutschen Sprache ist es, einerseits das Ungenaue, Unbestimmte
wiedergeben zu können und andererseits aus dem Stand
durch die Neubildung von zusammengesetzten Hauptwörtern fast
jeden notwendigen Grad von Genauigkeit und auch von feinen
Zusammensammenhängen und feinen Unterschieden beschreiben zu können.

Es ist nicht nur das Beschreiben allein, es ist auch die Eigenschaft,
daß durch das Beschreiben die Dinge und Geschehnisse
in einen gewissen Sinnzusammenhand und Abfolgenzusammenhang gestellt werden,
und gerade hier hat die deutsche Sprache den Vorteil, daß sie Dinge und Geschehnisse
eben nicht in eine Logikfolge preßt, wie dies die romanischen Sprache
aufgrund ihres inneren Aufbaus nahezu zwingend notwendig tun müssen.

Die deutsche Sprache ist umständlicher,
im Alltagsgebrauch ungenauer als die romanischen
Sprachen, aber die deutsche Sprache ist äußerst vielseitig und
anpassungsfähig.

Das erste Mal habe ich diesen Unterschied in den
Sprachen bei einem Aufenthalt in Italien
gesehen, vielleicht 1988.
Die italienischen Tageszeitungen haben dreizeilige Schlagzeilen.
Eine Hauptzeile, eine Oberzeile, eine Unterzeile,
die nochmal in links und rechts geteilt ist.
Die Italiener schaffen ist, in diese rund 4 Zeilen Großschrift
den Inhalt des darunter stehenden Aufsatzes verständlich zusammenzufassen.
Es ist klar, daß diese Fähigkeit zur Verkürzung
Hand in Hand geht mit einer gewissen Starrheit der Sprache und
einer gewissen Starrheit der Verknüpfungen der Dinge untereinander.


Die französische Sprache.

Die französische Sprache ist die eine romanische Sprache.
Ein wunderbarer Beleg für die Schönheit und vielseitige Geeignetheit
der französischen Sprache gibt die Schrift des Franzosen Sadi Carnot.

Bereits mit geringsten Kenntnissen des Französischen
kann man diese Schrift fließend lesen.
Man sieht, wie sich der Gedanke entwickelt.
Stellen, die man nicht sofort versteht,
erschließen sich beim Weiterlesen,
die Verständnislücken schließen sich sozusagen von selbst.

Man sieht, wie der Verfasser mit den Mitteln der französischen Sprache
einen weitestgehend neuen Sachverhalt leicht lesbar darbietet und
wie er wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Verborgenen
ans Licht herausholt, sich sozusagen mit der Sprache
und dem Denken als Werkzeug an die Erforschung
bislang unbekannter Geschehnisse macht.

Die Schrift stammt aus dem Jahr 1824, sie ist eine Vorwegnahme der
kommenden 50Jahre im Gebiet der Lehre von den Feuerkraftmaschinen
und der allgemeinen Wärmelehre,
zusammengefaßt auf 43 Seiten und
von einem damals 28jährigen Franzosen geschrieben.
Sadi Carnot war Privatgelehrter,
er befaßte sich sein ganzes Leben lang mit den Naturwissenschaften
und er starb mit 36 Jahren an der Cholera.


Diese Schrift von Sadi Carnot mit dem Titel:
"Réflexions sur la puissance motrice du feu
et sur les machines propres à développer cette puissance"
halte ich für eines der bedeutendsten Werke unserer europäischen Geschichte.

Text der Schrift als PDF Datei
http://archive.numdam.org/ARCHIVE/ASENS/
ASENS_1872_2_1_/ASENS_1872_2_1__393_0/ASENS_1872_2_1__393_0.pdf




Europa als Gemeinschaft.

Es ist klar, daß wir in Europa in unserer Vielfalt
bei gleichzeitiger Einheit einen riesengroßen Vorteil haben.

Wir haben allein in der EU rund 500 Millionen Menschen und viele
unterschiedliche Sprachen.

Jeder Mensch sieht eine Sache immer ein wenig anders
als sein Nachbar, durch unterschiedliche Sprachen und
unterschiedliche Lebensumstände wird dieser Unterschied
noch verstärkt.

Deshalb gibt es in der EU gute Aussichten auf viele und
unterschiedliche Erfindungen.

Für uns Deutsche ist es selbstverständlich, unsere reiche
und gut geeignete Sprache als eine gut passendes Werkzeug
für das Vorantreiben von Erfindungen zu nutzen.
Die übrigen Sprachen können uns durchaus zusätzliche Anregungen
beim Nachdenken geben.





Der Verfasser bittet die Leser darum, Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen mitzuteilen.

Die Übernahme dieses Textes gestatte ich gern, sofern der Verfasser (Karlfried Cost, Frankfurt), der Verfassungstag (30.12.2008) und die Fundstelle im Weltnetz (www.agriserve.de/Erfindungen.html) angegeben werden.


- agriserve -
Hinweise zum Erfinden
vom 30.12.2008


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